OpenAI hat am 14.08.2026 eine Änderung nachgeschoben, die in den Release Notes nur zwei Zeilen einnimmt und in der Praxis eine der häufigsten Blockaden im KMU-Einsatz von ChatGPT löst. Bestehende Projekte lassen sich jetzt zwischen Standard-Memory und Project-only Memory umschalten, ohne dass ein neues Projekt angelegt werden muss (OpenAI Release Notes).
Bisher war die Entscheidung faktisch endgültig. Wer ein Projekt mit Standard-Memory startete und später merkte, dass darin Kundendaten, Lohndaten oder Vertragsentwürfe landen, musste das Projekt neu aufbauen und alle Dateien und Anweisungen erneut einpflegen. Diese Hürde hat in vielen Betrieben dazu geführt, dass heikle Arbeit gar nicht erst in ChatGPT stattfand oder, deutlich schlechter, in einem Projekt mit offenem Gedächtnis.
Was der Unterschied technisch bedeutet
Standard-Memory bedeutet, dass ChatGPT im Projekt auf Erinnerungen aus Ihren übrigen Chats zugreift und dort Gelerntes auch wieder ausserhalb des Projekts verwenden kann. Das ist bei allgemeinen Aufgaben nützlich, weil Tonalität, Terminologie und Präferenzen mitwandern.
Project-only Memory kappt diese Verbindung. Das Projekt nutzt ausschliesslich das, was innerhalb seiner Grenzen liegt, und gibt nichts nach aussen weiter. Für ein Mandat, einen einzelnen Kunden, ein Ausschreibungsdossier oder ein Personalthema ist das die sauberere Konstruktion, weil der Datenraum klar begrenzt bleibt.
Der Bedienweg ist kurz: Projekt öffnen, Drei-Punkte-Menü, Project settings, Memory, dann Default memory oder Project-only memory wählen. Laut OpenAI kann die Umstellung einige Stunden dauern, bis sie vollständig greift. Geteilte Projekte bleiben unverändert immer Project-only.
Zwei Einschränkungen, die vor dem Rollout gehören
Erstens gilt die Umschaltmöglichkeit für berechtigte, nicht geteilte Projekte. Wer bereits mit Teamfreigaben arbeitet, findet die Einstellung dort nicht als Wahlmöglichkeit, weil geteilte Projekte ohnehin projektgebunden sind.
Zweitens ist ChatGPT Work in Projekten mit Project-only Memory nicht verfügbar. Wer Verbindungen zu Geschäftsanwendungen im Projekt einsetzt, muss also entscheiden, was schwerer wiegt: der abgeschottete Datenraum oder die Anbindung. Diese Abhängigkeit ist der eigentliche Planungspunkt und nicht die Einstellung selbst.
Für Schweizer Nutzende relevant ist eine weitere Randnotiz aus denselben Release Notes: Computer History ist im EWR, in Grossbritannien und in der Schweiz nicht verfügbar. Funktionsverfügbarkeit und Marketingmeldung fallen bei OpenAI regelmässig auseinander, weshalb die Prüfung im eigenen Konto Teil jedes Rollouts sein sollte.
Vier Projektzuschnitte, die sich in KMU bewährt haben
1. Kundenprojekte einzeln führen. Ein Projekt pro grösserem Kunden oder Mandat, auf Project-only gestellt, mit Offerten, Korrespondenz und Terminologie darin. Der Vorteil ist nicht nur Datenschutz, sondern Präzision: das Modell mischt keine Begriffe aus anderen Kundenkontexten hinein.
2. Personal- und Lohnthemen strikt trennen. Alles, was Mitarbeitende betrifft, in ein separates Projekt mit Project-only Memory. Das reduziert das Risiko, dass Personendaten in unbeteiligte Chats sickern, und erleichtert die Auskunftspflicht nach revidiertem Datenschutzgesetz, weil der Datenraum lokalisierbar ist.
3. Allgemeine Redaktion offen lassen. Marketing, Website und interne Kommunikation profitieren von Standard-Memory, weil Stil und Firmensprache über Projekte hinweg konsistent bleiben. Hier ist die offene Variante die produktivere.
4. Ausschreibungen zeitlich befristen. Ein Projekt pro Ausschreibung, Project-only, nach Zuschlag oder Absage bewusst geschlossen. Befristung ist die einfachste Form von Datenminimierung und kostet keine Technik.
Freigabepunkt bleibt Pflicht
Die Memory-Einstellung regelt, welche Daten das Modell sieht. Sie regelt nicht, ob eine Ausgabe fachlich richtig ist. Für jedes Projekt gehört deshalb festgehalten, wer die Ausgaben inhaltlich freigibt, bevor sie an Kunden, Behörden oder Mitarbeitende gehen. Diese Person trägt die Verantwortung, nicht das Modell.
Praktisch bedeutet das ein kurzes Protokollfeld im bestehenden Dokumentenprozess: welches Projekt, welche Memory-Einstellung, wer geprüft hat, wann freigegeben wurde. Vier Angaben, die im Streitfall belastbarer sind als jede nachträgliche Erklärung.
Einordnung
Die Änderung ist auf allen ChatGPT-Plänen verfügbar und damit auch für Kleinbetriebe mit wenigen Lizenzen nutzbar. Ihr Wert liegt weniger in einer neuen Fähigkeit als in der Korrigierbarkeit einer früheren Entscheidung. Genau daran scheitern KI-Einführungen in KMU regelmässig: nicht am fehlenden Feature, sondern daran, dass ein früh gesetzter Zuschnitt nicht mehr angepasst werden kann, ohne die Arbeit von Monaten zu wiederholen.
Wie ChatGPT-Workflows mit definierten Freigabepunkten aufgebaut werden, zeigt der Beitrag GPT-5.6 Luna: 5 ChatGPT-Workflows mit Freigabepunkt für KMU. Die Umsetzung wiederkehrender Aufgaben behandelt ChatGPT Tasks und Automationen für KMU.
Nächster Schritt
Im Erstgespräch klären wir, welche Ihrer Projekte auf Project-only gehören, wo die Anbindung an Geschäftsanwendungen wichtiger ist, und formulieren die Projektanweisungen passend zu Ihrer Terminologie. Erstgespräch vereinbaren.
